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Esther 19. Oktober 2020

201019

Eine Bekannte hatte Ende April Geburtstag. Da sie alleinstehend ist, wollten wir ihr trotz Lockdown eine Freude machen. Wir bereiteten an einem idyllischen Weiher einen Apéro vor. Mit dem nötigen Abstand konnten wir das kurze Treffen geniessen. Nicht die Quantität sondern die Qualität macht es aus.

Das Gefühl nicht allein zu sein, war in dieser schwierigen Zeit wichtig.

Brigitte 19. Oktober 2020

201019

Flora und Fauna bei mir auf dem Balkon, während dem Lockdown

Maria 18. Oktober 2020

201018

Jemand ist immer für dich da – auch wenn du das gerade selbst bist.

Zu lernen, mit sich selbst verbunden zu sein und dabei auch mit anderen verbunden sein, auch wenn sie gerade nicht da sind.
Ein herrliches Gefühl und eine herrliche Fähigkeit, welche ich während dem Lock-Down erleben durfte und immer noch davon profitieren kann.

Bea 17. Oktober 2020

201017

Als der Lock-Down begann, habe ich das Spazieren entdeckt. Anstatt sich auf einen Kaffee zu treffen, habe ich zum Laufen abgemacht. Ich nahm diese Zeit als entschleunigend und bereichernd wahr.
Bis heute, habe ich dieses Ritual beibehalten und bin froh, dies entdeckt zu haben.

13. Oktober 2020

201013

«Die Krise hat mein Bewusstsein in allen Lebensbereichen geschärft. Ich bin dankbarer geworden für das, was wir haben. Und ich vermisse, was immer gegeben schien: Die fehlende körperliche Nähe zu Familie und Freunden zum Beispiel, das finde ich nicht leicht zu ertragen. Darum erlaube ich mir bei engen Freunden eine Ausnahme, und wir nehmen uns kurz in den Arm. Umgekehrt gibt es Dinge, die dank Corona nun plötzlich besser funktionieren: Aus medizinischer Sicht war eine konsequentere Handhygiene in der Gesellschaft schon lange überfällig. Da freut es mich, dass es in unserer Praxis für Patient*innen zur Selbstverständlichkeit geworden ist, dass man sich beim Eintreten erst mal die Hände desinfiziert. Eine einfache Massnahme, die auch helfen wird, die nächste Grippewelle einzudämmen, da bin ich mir sicher.»

Katharina 31. Juli 2020

200731

Wenn wir im Schatten der Bäume spielen, haben wir plötzlich ganz erfreute Zuhörer. Einmal etwas anderes als nur die Rasenmäher oder Laubbläser.

Ich bin pensionierte Musiklehrerin und habe noch eine einzige erwachsene Schülerin, die auch schon im Pensionsalter ist.. Während des Lockdowns wollte sie nicht zu mir nach Hause in die Flötenstunde kommen, und ich für den Unterricht eigentlich auch nicht in ihre Wohnung gehen. Und so haben wir den Notenständer, die Instrumente, das Flötenbuch und zwei Sitzgelegenheiten zusammengepackt und uns aufs Areal des nahe gelegenen Kieswerks der Käppeli AG begeben. Dort haben wir im Schatten der Bäume unsere Flöten erklingen lassen. Jeweils kurz nach unserem „Auftritt“ haben sich befreundete Nachbarn erkundigt, wo auch diese schöne Musik her gekommen sei. Es war ein Aufsteller für die Nachbarn und für uns, dass unsere Musik wahrgenommen wurde – obwohl wir nicht nur Stücke zu zweit, sondern auch simple Übungen und Tonleitern gespielt haben. Erstaunt hat uns auch, dass der Klang der einfachen Sopranblockflöten in einem so grossen Umkreis getragen worden ist. Wir werden den Openair-Unterricht fortsetzen.

Marianne 31. Juli 2020

200731

Während dem Lockdown kam ich mir als 79-jährige Risikofrau vor wie weggesperrt. In meinen drei Geschichten verarbeite ich drängende Fragen zu meiner Aufgabe als Christin und zu meinen Ängsten – aber auch zu meiner Traurigkeit über die fehlende Gemeinschaft während des Lockdowns. Schreiben verändert.

Begegnung im Tempel (nach Lukas 2,36 ff)
Im Tempelvorhof zu Jerusalem herrscht reges Leben; ein Kommen und Gehen von Menschen, die beten oder den Priestern Opfergeld bringen wollen. Eben tritt ein recht betagter Priester durch das Tor. Ein junger Levit eilt ihm entgegen. „Zacharias, hast du Opferdienst? Ich stehe dir zur Verfügung.“ Ehrerbietig neigt der junge sein Haupt und wartet auf Anweisungen. Doch der Angesprochene fragt nur: „Josias, weisst du, wo ich die Prophetin finde? Bevor ich mich rüste für das Abendopfer, muss ich mit ihr sprechen.“ Da sagt Josias mit einem spöttischen Grinsen: „Du meinst die alte Hanna? Die wurde vor einiger Zeit vom Vorhof weggeschickt, durch den Hohenpriester persönlich! Sie brachte die Tempelbesucher, die Priester und Knechte durcheinander mit ihrem Gefasel vom Messias, den Gott geschickt habe. So eine Anmassung von einer Frau, die Prophetin sein will!“ Doch Zacharias ist offenbar nicht gleicher Meinung mit dem Leviten, dies sagen seine Augen. Er sagt kurz und bündig: „Josias, ganz gleich, was du denkst von Hanna, bitte, führe mich zu ihr!“ „Das geht nicht, ich kann den Vorhof nicht verlassen. Dort steht ein Tempelwächter, der soll dich führen.“ Ohne Gruss dreht sich Josias um, gibt dem Wächter ein Zeichen und geht auf seinen Posten. „Was ist dein Begehr, Priester Zacharias?“ fragt der Wächter. Zacharias äussert nochmals seinen Wunsch. So gehen die beiden. Über Treppen und durch enge Gänge gelangen sie endlich zu einer schmalen Tür. Bevor der Wächter anklopft, flüstert er: „Man munkelt, das Weib sei verwirrt, aber ich glaube ihr, was sie sagt von Gott; sie betet sogar für uns Wächter und ist gut zu uns. Und wir gehören bekanntlich nicht zu den Frommen! – Ich glaube, sie könnte mich dazu bringen, selber zu beten.“ Zacharias, gerührt von den Worten des einfachen Mannes, entlässt diesen dankend und klopft dann selbst an Hannas Türe. Hanna öffnet und ruft freudig: „Zacharias, du bist es! Shalom, du besuchst mich?“ „Friede auch dir, Hanna. Ich brauche deinen Rat für mich und Elisabeth, meine Frau.“ „Und mir tut es gut, wieder einmal einen Menschen zu sehen!“ Hanna lässt den Priester eintreten, und bald sind die beiden vertieft in ein Gespräch über ihre Erfahrungen mit Gott. Sie beide haben erlebt, wie Gott seine Verheissungen wahr macht. Zacharias und Elisabeth haben in ihren alten Tagen einen Sohn bekommen, dieser soll dem Messias Wegbereiter werden. Und Hanna durfte vor kurzem mit eigenen Augen den kleinen Jesus sehen, ihn, den künftigen Messias! „Ach, Hanna, wie notwendig ist für mich das Gespräch mit dir! Kaum einer glaubt mir, wenn ich von unserem Kind und seiner Zukunft spreche. Sie sagen, ich sei ein Fantast und bald zu alt, um Priesterdienst zu tun und zu predigen. Dann überfallen mich Zweifel. Braucht Gott mich nicht mehr? War alles Einbildung? Was ist richtig? Schweigen, mich zurückziehen und aufgeben? Oder mich mit bösen Worten wehren?“ – „Nichts von alledem!“ sagt die hoch betagte Frau. „Schau, Zacharias, ich weiss nur zu gut, wovon du sprichst! Als sie mich vom Tempelhof hier in diese Kammer gesperrt haben, sträubte sich erst alles in mir. Ich fragte Gott und klagte: Nach und nach ging mir ein Licht auf: Gott hat genau hier Aufgaben für mich, ich kann die Menschen auch von dieser Kammer aus segnen und für sie beten, dass sie Halt und Frieden finden! Ja, darin übe ich mich nun; nicht immer gelingt es. Aber so oft ich es wage, über all die Menschen hier im Tempel im Herzen den Segen zu sprechen, kehrt auch in mir Frieden ein. “ Hanna sieht mit leuchtenden Augen auf Zacharias und meint bescheiden: „Versuch es, gewiss wird es auch dir geschenkt, und denk an den Messias!“ Zacharias dankt der Frau mit warmem Blick. Erfrischt und mit beinahe jugendlichem Eifer geht er in den Vorhof zurück, um sich bereit zu machen für den Opferdienst. Er hat wieder Boden gefasst. Er hat einen Auftrag, einen wichtigen! Segnen und beten: das gibt Halt! Hanna hat Recht! Leise beginnt er den uralten Segen Aarons zu singen: Der HERR segne dich! Dabei denkt er an den jungen Leviten Josias, an den Tempelwächter und an viele andere, hier und daheim.
Sr. Marianne Bernhard, im Lockdown April/Mai 2020

Weggesperrt (In Rom, ca 55 n.Chr., frei erfunden, aber könnte ähnlich geschehen sein)

Vor den Toren des alten Roms, am Ufer des Tiber, reihen sich Hütte an Hütte, links und rechts der schmalen, schmutzübersäten Gässchen. Dass in diesem Viertel keine reichen Römer, nicht einmal ehrbare Handwerker wohnen, sieht man auf den ersten Blick. Eine Handvoll zerlumpter Jungen streiten zwischen streunenden Katzen um einen Trinkbecher. Aus einer der Hütten dringt das Geschrei einer schimpfenden Frauenstimme. Die Hütte gegenüber fällt auf, weil rund herum alles aufgeräumt und ordentlich wirkt. Eine ältere Frau tritt eben aus der Tür mit ihrem Wasserkrug. Vorsichtig schaut sie sich um, dann eilt sie zum Fluss. Sie füllt ihr Gefäss und geht zielstrebig wieder ihrer Hütte zu. Da tritt aus dem Schatten einer Mauer ein römischer Offizier. Er nickt der Frau freundlich zu und sagt leise:„Sanna, heute Abend!“ Diese lächelt fast unmerklich; sie hat verstanden und verschwindet in ihrer Hütte. Sie stellt ihren vollen Krug neben die Feuerstelle. Aufatmend flüstert sie: „Danke, Gott, du hast meine Not gesehen.“ Sie facht das Feuer an und hängt den Wasserkessel über die Glut. Dann schaut sie sich um in der Hütte, die ihr seit einigen Wochen Schutz bietet. Alles ist sehr einfach, aber sauber. Sanna mag gut sechzig Jahre alt sein, schmal, beinahe mädchenhaft steht sie da, in ein dunkles Gewand gehüllt. Über dem ergrauten Haar trägt sie ein Kopftuch. Ihr Gesicht lässt Trauer und Not erahnen. Sie beschäftigt sich in Gedanken mit dem römischen Offizier, der sein Kommen angekündigt hat. Sie kennt Tertius seit über zwanzig Jahren. Sie war Wäscherin im Haus des jungen Hauptmanns in Jerusalem. Im Gegensatz zu anderen römischen Offizieren war Tertius seinen Dienern gegenüber stets freundlich. Auch ihr, einer Jüdin, begegnete er mit Achtung, obwohl er wusste, dass sie ein Flüchtling war aus dem südlichen Bergland und dass sie eine Anhängerin des Jesus von Nazaret war. Tertius liess auch zu, dass sie nach jenem denkwürdigen Pässachfest, als Jesus am Kreuz starb und dann am dritten Tag auferweckt wurde aus dem Tod, Woche für Woche die Freunde dieses Jesus aufsuchte. Sie hörte auf ihre Botschaft und liess sich auch taufen. Nun wurde Tertius vor kurzer Zeit von Jerusalem nach Rom versetzt. Der Kaiser brauche mehr Soldaten, um die Jesusanhänger in der Stadt aufzuspüren und zu beseitigen, hiess es. Ausgerechnet Tertius soll Jesusleute ins Gefängnis bringen! Er gehört zwar nicht öffentlich zu den Jesusleuten, aber er steht ihnen nahe. Ja, sonst hätte Tertius sie, die alte Frau, gewiss nicht mitgenommen nach Rom. „Er will mich schützen und nicht allein zurücklassen; denn in Jerusalem werden die Jesusanhänger auch verfolgt. Der gute Tertius, er hat mir dieses Dach über dem Kopf verschafft, er sorgt auch für mein tägliches Brot. Er will, dass es mir gut geht, dass ich frei bin. Aber ich bin hier eingesperrt.
Weggesperrt!“
Sanna seufzt. Dann wendet sie sich ihrem Kochtopf zu. Wenigstens einen Minztee will sie Tertius anbieten, wenn er kommt, den mag er so gerne. – Aber dann muss sie ihm sagen, dass er möglichst nicht mehr bei ihr erscheinen sollte. Sie hat nämlich am Fluss beim Wasserholen die Frauen munkeln hören, dass jeder, der mit Jesusleuten verkehre, samt denen bestraft werde. Sanna muss Tertius warnen! Ach, es ist eine schwierige Zeit, sinnt Sanna; sie darf, sie will gar nicht weiterdenken. Weggesperrt statt frei, alles ist ungewiss, ohne Sinn! Alles? Wirklich alles? Auf einmal sieht sich die Alte in ihre Kindheit versetzt, als sie auf der Flucht vor feindlichen Soldaten ihre Eltern verlor. Ganz allein lief sie damals weiter, ins Ungewisse! Sie landete dann mit vielen anderen Menschen in der kleinen Stadt Bethlehem. Dort nahm eine Herbergsmagd sich ihrer an. Dann erlebte sie Wunderbares. Die Magd verbarg sie im nahe gelegenen Viehstall bei einem jungen Paar. Die Frau hatte eben ihr erstes Kind geboren, und sie, Sanna, durfte bei der Frau bleiben und helfen. Die junge Mutter legte das Kind in die Futterkrippe. Sie erzählte ihr dann, der Knabe sei von Gott geschickt. Er sei der versprochene Retter. – Sanna spürt noch jetzt die freudige Erregung. Dies war ihre erste Begegnung mit Jesus. Ihr Weg führte sie nicht ins Ungewisse, nur zeitweise sah sie ihn nicht mehr. Und heute? Sie fragt leise: „Gott, was wird mit Tertius, mit mir? Ich bin hier weggesperrt, und mein Helfer wird wegen mir beobachtet! Jesus, du lebst! Zeige es mir, bitte! In mir ist alles dunkel; Wo bist du, Jesus? Ich könnte doch für den Römer und seine Leute waschen und putzen wie früher! Aber so? Weggesperrt! Oder ist es dein Wille, Gott, dass ich in dieser fremden Stadt sterben muss? Dazu bin ich noch nicht bereit! Führe mich auch jetzt aus der Ungewissheit heraus, aus dem unfreien Leben in die Freiheit!“ Laute Stimmen von der Gasse reissen Sanna aus ihren Gedanken. Was ist los? Gespannt horcht sie. – Da klopft es leise an ihrer Tür. Geräuschlos tritt Tertius ein. „Sanna, ist alles gut?“ fragt der Offizier besorgt. „Ja, und bei dir, Tertius? Sei willkommen!“, begrüsst ihn Sanna. Dabei giesst sie ihm heissen Minztee ein. „Ach, Sanna, ich kann nicht lange bleiben. Ich werde beschattet von den eigenen Soldaten! Ich habe einem von ihnen erklärt, dass ich nur einige Gefässe für den Gebrauch abholen will. Unsere Kohorte glaubt, diese Hütte sei nur Lagerraum, weiter nichts. Ich muss gleich wieder aufbrechen. – Sanna, hier für dich Mehl, eine Handvoll Oliven und etwas Salz. – Gott schütze dich, bleib möglichst drin und schliesse die Tür immer gut zu. Ich weiss nicht, wann ich wiederkommen kann! Denke an mich, das tut mir gut!“ Der Offizier nimmt einen Schluck Tee, holt zwei Tongefässe vom Regal und fasst Sannas Hand zum Gruss. Aber Sanna zieht ihre Rechte zurück, legt sie dem Mann spontan auf seine Schulter und spricht den uralten Segen über ihn. „Der HERR segne und behüte dich, Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig, der HERR hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen!“ Der Römer sieht Sanna lange an, dann nickt er dankend und verlässt sie. Sanna verriegelt die Türe. Wieder allein, horcht sie auf jeden Laut von draussen. „Ob sie Tertius fassen? “ Sie weiss es nicht, und erneut will sie eine dunkle Welle von Mutlosigkeit überrollen. – Dann, nach einer Weile ist sie sich auf einmal gewiss: Gott hat ihr eine wichtige Aufgabe zugeteilt, die verleiht diesen Tagen Sinn und macht sie innerlich frei; sie soll Tertius mit ihren Gedanken begleiten, im Herzen immer wieder den Segen sprechen über ihm! Und über die Soldaten und die kleinen Jungen auf der Gasse!

Sr. Marianne Bernhard, in der Coronazeit, Mai 2020

Louis 31. Juli 2020

200731

Mein grosses Hobby ist das Musizieren. Ich spiele in der Otmarmusik St. Gallen, der Buuremusig Gossau und der Musikgesellschaft Hundwil mit. Wegen der Coronapandemie wurden sämtliche Anlässe abgesagt. Daher entschloss ich mich kurzerhand, mit meinem Alphorn Freude und Abwechslung in den Corona-Alltag zu bringen.

Jeden Tag gab ich daher bei den Altersheimen und in den Quartieren von Gossau und Umgebung Alphorn-Ständchen. Ich war überrascht, wie gross die Freude und Begeisterung bei Jung und Alt war. Das Personal der Heime winkte mir zu und die Bewohner applaudierten und riefen mir zu. In den Hochhausquartieren füllten sich die Balkone mit Publikum und stets war die grosse Freude und das Interesse an den Alphornklängen spürbar. Oft hörte ich den Wunsch: «Wann kommen sie wieder»?
Diese Alphorn-Ständchen gehörten zu meinen dankbarsten Auftritten der letzten Jahre und bestärken mich, mein Hobby weiterhin mit viel Herzblut zu pflegen.

Silvia 20. Juli 2020

200720

Unzerkratzter Himmel
Der Himmel erhält seine alte Würde zurück:
Das fantastische Spiel von Wolken und Blau ist nicht mehr durchkreuzt von Kondensstreifen. Mein Auge, mein Herz freut‘s.

Man sagt, es werde noch eine Weile so bleiben. Die Luft sei draussen bei der Lust, kopflos durch die Luft zu fliegen.

Sabina 13. Juli 2020

200713

Wir sind nicht unsterblich. Wir setzen alles daran, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen. Eine längst fällige Auseinandersetzung findet wieder statt. Verdrängung geht nicht mehr. Aktuell sind wieder Fragen rund um das Leben, dessen Sinn, der eigenen Sterblichkeit und der Kunst, dem Tod zu begegnen.

„Memente mori“ – „Sei dir der Sterblichkeit bewusst.“ – hat wieder Aktualität gewonnen.
„Ars vivendi“ – „Die Kunst des Lebens“- findet nicht mehr nur als Selbstverwirklichungshype Gehör, sondern mit der zentralen Frage, was dem eigenen Leben Sinn verleiht.
„Ars moriendi“ – „Die Kunst des Sterbens“ – rückt wieder in den Vordergrund.

Die Idee zu einer Komposition, die sich über diese drei Begriffe der Philosophie, Theologie und Bewusstmachung des Selbst mit dem Leben und Sterben auseinandersetzt, ist in der Corona-Zeit entstanden.

Margrit 13. Juli 2020

200713

Ü60 „Bleiben Sie zu Hause!“ In dieser Zeit entdeckte ich die Spaziergänge zum Sonnenaufgang. Der Sonnenaufgang am Ostersonntag auf dem Fünfländerblick zeigt mir: Ich kann mich täglich neu auf die Kraft des göttlichen Lichts verlassen.

Silvia 12. Juli 2020

200712

„Das haben wir schon immer gemacht“ ist absolut kein Argument mehr.
Genau das ist super spannend.
Ich will mir oft, so oft es geht, die Frage stellen: „Was braucht es wirklich, genau jetzt und genau hier?“
Eine grosse Chance flexibler zu werden. Was mir gut tut. Und vielleicht nicht nur mir …

In diesem Sinn hat diese abrupte Änderung ihr Gutes. Wenn ich bereit bin, mich der aktuellen Situation wirklich zu stellen.
Überraschend, wie viel es NICHT braucht. – Wobei, die Kultur vermisse ich schon.

Theodor 12. Juli 2020

200712

Alles anders: Das war (und ist) für mich mehr bewusste Zeit für den Augenblick. Den Augenblick besser schätzen, näher sehen, intensiver spüren…

Zum Beispiel an einem Sommerabend vom Balkon aus das himmlische Lichter-Wolken-Spiel in sich einlassen. Im Fernen das Nahe sehen. Bewegende und berührende Spuren der Schöpfung.

Benjamin 12. Juli 2020

200712

Besinnung auf das Wesentliche: Hören auf Gott, Beten, Singen, Bibellese, IHM Gehorchen!

Gerda 9. Juli 2020

200709

Ein Weg für alle –
es gibt immer einen Weg!
Erst fast alleine und jetzt spüre ich die Freude
an Begegnungen – mit einem Lächeln.
Doch im Herzen war und bin ich nie alleine!

Corinna 7. Juli 2020

200707

Ansichtssache

Wie reagierst Du wenn Dein Gegenüber anderer Meinung ist?
Innen-Aussen
Mensch -Tier
Boden-Himmel
hinten-vorne
Spiegel-Umkehrung
Stuhl und Terassenbank
Bett-Stadt
Blick-Dach

Verschiedene Blickwinkel/ Standpunkte
Für ein Problem gibt es immer mindestens 10 Lösungen.
Wünsche Dir Leichtigkeit und Flexibbilität.
Herzlich Corinna

Hadassah 7. Juli 2020

200707

Alles anders und doch alles gleich. Ich bin immer noch die gleiche Person wie vor einem halben Jahr. Meine Wohnung sieht immer noch gleich aus wie vorher. Ein paar Dekorationen wurden geändert. Sachen sind ausgemistet. Bilder gewechselt. Doch das „Grundleben“ ist dasselbe. Welch ein Luxus: Ich …

… hab ein Dach über dem Kopf, ich kann am Morgen aufstehen, arbeiten gehen (vielleicht in einer anderen Form als gewohnt), essen, was ich mag, einkaufen gehen, das wöchentliche Putzen und Waschen bleiben auch.
Doch das Wichtigste fehlt in „allem“: die nahe Begegnung mit Freunden. Gott, sei uns nah, damit wir nicht verdursten. Gott, sei uns nah, damit wir Gemeinschaft haben. Gott, sei uns nah.

Andrea 7. Juli 2020

200707

Ich bin Andrea, 27 Jahre jung, und sehe aus, wie eine ganz normale junge Frau. Was man mir aber nicht ansieht: Ich gehöre zur Risikogruppe.
Ich habe eine Herzerkrankung und eine Autoimmunerkrankung. Ich muss deswegen Immunsuppressiva nehmen, wodurch mein Immunsystem geschwächt ist.

Eine normale Erkältung stecke ich meistens gut weg. Selbstverständlich bin ich als Risikopatientin gegen die Grippe geimpft. Gegen Corona kann man (noch) nicht impfen. Man muss es durchstehen. Klar kann es sein, dass es gar nicht so schlimm verläuft, gerade bei jungen Menschen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ich trotzdem zur Risikogruppe gehöre. Ich würde das ganze vermutlich nicht so „leicht“ wegstecken, wie ein gesunder Mensch. Für Menschen wie mich, kann so ein Virus ganz schlimm enden. Und Menschen, die jetz sorglos grosse Partys feiern und behaupten, man würde ihnen die Freiheit mit purer Absicht nehmen, werden meiner Meinung nach den Ernst der Lage auch niemals begreifen.

Darf ich dich um etwas bitten?

Bitte denke in dieser Zeit auch an mich und an andere Menschen mit Vorerkrankungen. Ich habe auch Menschen in meiner Familie und im Freundeskreis, welche zur Risikogruppe gehören und ich würde es nicht ertragen, wenn ihnen etwas passieren würde!

Bitte verharmlose dieses Virus nicht, nur weil es für dich vielleicht harmlos ist. Für manche Menschen kann es lebensgefährlich werden.

Bitte nimm Rücksicht und halte dich an die Regeln/Empfehlungen. Nimm Rücksicht auf mich und auf alle anderen chronisch kranken und Immungeschwächten. Ich habe nicht alle meine Herzoperationen überlebt umd spritze mir täglich Medikamente, damit das Corona Virus mich im worst Case das Leben kostet. Ich möchte noch so vieles erleben. Ich möchte reisen, eim Haus haben, Kinder bekommen, einfach das Leben geniessen.

Du bist mein Held, wenn du aus Rücksicht mal Hause bleibst, Abstand haltest oder eine Maske trägst. Danke dafür!

Danke, dass du deinen Beitrag leistest, damit Menschen, die schon viel zu viel Zeit im Krankenhaus verbracht haben, gesund zu Hause bleiben können.

Urteile bitte nicht über mich, weil ich mir Sorgen um mich und um alle anderen chronisch Kranken und Immungeschwächten mache. Sei dankbar, dass du dir darüber nicht so viele Sorgen machen musst.

michael 7. Juli 2020

200707

Anfang 1972 befasste ich mich mit der Luft, dem Boden und dem Wasser, war einigermassen schockiert, was wir da anstellen und stellte mein Leben einigermassen vollständig um. Es hat sich nur wenig geändert.

seit gut 40 Jahren befinde ich mich im Sitztstreik gegen die exorbitante Mobilität. Lotussitz ohne Sitzkissen, Symbol für das weniger. Fliegt ein Vogel vorbei und spricht das ganze All an, brauche ich manch anderes nicht. „Das Virus wird nicht locker lassen, bis wir verstanden haben“, denke ich manchmal. Es sagt dasselbe wie das Klima, spricht uns aber persönlicher an.

Kathrin 7. Juli 2020

200707

Was machen unsere Kinder eigentlich den ganzen Tag in der Schule?
Für mich war es eindrücklich, zu sehen, wie die Kinder lernen.
Was ihnen Freude macht und was nicht. Und wo ich eine gute Lehrerin sein kann, und wo eben auch gar nicht.
Die Grossen zeigten den Kleinen, wie’s geht. So schön!

Gabriele 7. Juli 2020

200707

Nachbarliche Freundschaft
Mein Mann (80 J.) und ich (71 J.) gehören der Lockdown-Risikogruppe an. Da war unsere liebe Nachbarin gleich zur Stelle und ging für uns einkaufen. Da wir noch sehr fit sind und keineswegs krank, war das schon ein spezielles Gefühl der Ohnmacht, dem Ausgeliefert-Sein

an eine unfreiwillige Situation. Wir versuchten das Beste daraus zu machen und genossen unser sehr schönes Zuhause. Da war nun viel Zeit für Anderes: also begann ich vermehrt Brot zu backen, denn so konnte ich meiner Nachbarin auch etwas zurückgeben. Ein frisch gebackenes Brot oder einen Zopf am Wochenende. Dann war da noch der Versuch einen Sauerteig selber herzustellen. Und siehe da, in der Ruhe und Gelassenheit der Corona-Lockdown-Zeit gelang dies wunderbar. Seit da stelle ich regelmässig Sauerteig-Brote her und meine Nachbarin profitiert immer noch davon!

Marcel 7. Juli 2020

200707

Ich finde es wird zu viel Aufsehen gemacht um Corona. So geben wir dem Problem nur mehr Kraft. Beten und Arbeiten ist meine Devise. Einmal mehr auf etwas verzichten, was man gerne hätte. Dies ist auch gut für die Seele. Und der Besuch der hl. Messe gibt mir Kraft Das Vertrauen auf den Schutzengel!

David 3. Juli 2020

200703

Guten Tag, nach meiner Meinung sehe ich nach dem Coronavirus eine saubere, neue, reinere Muttererde, mit einer neuen friedlicheren Menschheit ohne Krieg, Armut und ohne Regierung, die eine schwarze Macht ist. Und es wäre gut, wenn es wieder so wäre, wie vor dem digitalen Zeitalter oder sogar noch besser – ohne Hektik.

Heidi 3. Juli 2020

200703

Selbstverständliches, das ich plötzlich vermisse. Und das Beste daraus machen.

Sehr vertraute Personen lange nicht zu sehen, sie nicht drücken und umarmen zu können und die Ungewissheit, wie lange das noch gehen wird. Und irgendwann der Zeitpunkt, dass wir uns trotzdem sehen. Die Umarmungen lassen wir teilweise weg, irgendwann lassen wir sie wieder zu. Der Vorteil… ich „muss“ einige Leute nicht mehr proforma drücken. Hat ja auch was. Und dennoch – im Nebenjob immer noch nicht arbeiten dürfen, weil es auch dort Menschen hat, die ich doch gerne wieder einmal sehen würde. Sich spontan zum Kaffee treffen? Zum auswärts Essen? Fehlalarm!
Aus der entstandenen Zeit, in der ich nicht arbeiten durfte, habe ich das Beste gemacht: Mich entschleunigt. Ich habe Bücher gelesen, Kreuzworträtselhefte gefüllt, über Zoom Online-Fitnessstunden mitgemacht, bin rausgegangen, habe Dinge im Garten gepflanzt, mich sogar um die sonst sehr genügsam gewordenen Zimmerpflanzen gekümmert, aufwändiger gekocht, 2kg abgenommen, das Büro aufgeräumt, die Küche geputzt und fast alle Fenster geputzt. Dinge, die sonst immer irgendwohin verschoben werden.
Und jetzt? Arbeite ich seit vier Wochen wieder, jetzt findet der Sport nicht mehr zu Hause statt, und auch nicht mehr so häufig. Gekocht wird wieder einfacher, die 2kg sind wieder da.
Und eigentlich sollten wir ein Ziel haben: Die Entschleunigung beibehalten.

Francesca 3. Juli 2020

200703

Eine unserer Verwandten lag im Sterben, sie hatte sich mit dem Covid19 infiziert. Zudem lebt meine ganze Familie im Norden Italiens, genau dort, wo sich das Virus stark verbreitet hatte. Wir haben viel für unsere Familien gebetet und da Beten und die Kraft des Gebets ganz neu kennengelernt.

Wie war das nochmal? Ein kleiner Virus, der die ganze Welt auf den Kopf stellt, so klein, dass man ihn von blossem Auge nicht sieht. Und keiner hat es in der Hand. Naja, kein Mensch, aber unser Herr. Wir haben seine Führung, seine Liebe und seine Gnade von Neuem kennengelernt.

Ursula 2. Juli 2020

200702

Im Homeoffice entfiel der tägliche Arbeitsweg. Diese Zeit nutzte ich für einen frühmorgendlichen, zügigen Marsch in der Natur. Häufig kam ich am Kreuz vorbei, das auf einem Hügel über meinem Wohnort steht.

Gerne bin ich einige Minuten dort stehen geblieben, habe meine Ängste, aber auch meine Dankbarkeit in einem Gebet formuliert. Und oft habe ich erlebt, wie Gott mich mit seinem Frieden beschenkt hat und ich hoffnungsvoll den neuen Tag anpacken konnte.

Ralf 26. Juni 2020

200626

Nicht, dass wir die Schönheit der Natur in unserer Umgebung nicht schon oft genossen hätten. Aber in den letzten Monaten lernten wir Wälder, Bachtobel und Hochmoore in nächster Nähe doppelt schätzen.

Helmut 26. Juni 2020

200626

Erklären wir die Schönheit zur neuen Revolution. Das wäre ein erster Schritt gegen unser Missverhalten zur Natur und zu unseren Mitmenschen.

Marcus 26. Juni 2020

200626

Kreativität ist Dinge anders zu verstehen. Das ist meine Leidenschaft. Gott sei Dank, denn ich kann nichts anderes. Jetzt erkenne ich: Kreativität ist meine soziale Pflicht.

Markus 26. Juni 2020

200626

Abstand halten und doch in Verbindung bleiben, z. B. mit unseren Freunden im Nachbarhaus? Das lösten wir für einmal auf ganz analoge Weise: Zwei Büchsen, eine Schnur und fertig war das gute alte Schnurtelefon. Tarif: kostenlos. Tonqualität: naja. Vergnügen: hervorragend.

Martin 25. Juni 2020

200625

alles anders – das ist mit Abstand die beste Aussage zur Corona-Zeit. Es ist nicht einfach nur alles schlecht, es ist auch nicht einfach eine Chance, es ist einfach alles anders.

Vieles hat sich bei mir verändert, mein Leben, mein Arbeiten und meine Freizeit haben sich anders angefühlt. Ich will in Zukunft prüfen, was ich mache und ob alles, was ich mache, genauso sein muss. Vielleicht kann ich es eben auch anders machen.

Barbara 19. Juni 2020

200619

Entschleunigung – Die Zeit tickt in einem anderen Takt

Zeit und Muße für ein spannendes Buch – eine feine Tasse Tee – Himmel auf Erden im eigenen Garten.

Daniel 16. Juni 2020

200616

Nimm dir Zeit für das Leben und gehe.

Wir haben alle verschiedene Wellen von Gefühlslagen und Aktionsmuster durchgemacht, nicht alle gleichzeitig und nicht alle dasselbe. Schockstarre nach dem Schreck, Ernüchterung dass es wahr ist, Hyperaktivität um dem Virus zu trotzen, Kopf in den Sand stecken und verdrängen oder die neue Wirklichkeit leugnen. Das hoch getaktete Leben kam zur Ruhe. Da war plötzlich Zeit. Der Frühling lud ein zu Abendspaziergängen über blühende Wiesen und grüne Wälder. Das war eine gute Erfahrung, dass das plötzlich geht und dass es gut tut. Beim Gehen kommen Gedanken in die Gänge und wir selber. Machen wir uns auf den Weg.

Dani 16. Juni 2020

200616

Auf der langen Bank hat es immer Platz für zwei oder drei.

In unserer Kirche wurden mehrere Bankreihen ausgeräumt, um eine Art Bar einzurichten – jeden Sonntag Apéro nach dem Gottesdienst. Das war eine Perspektive. Doch dann kam das Virus. Die Bänke waren draussen, die Bar eingerichtet, aber die Kirche wurde als Gottesdienst- und Begegnungsraum geschlossen. Wir haben eine der Bänke ersteigert und in den leeren Coronatagen abgeschliffen, geölt und für den Garten bereit gemacht. Die Bank ist lang. Vier Meter dreissig reichen für zwei oder drei, die coronal einen Schwatz halten oder ein Glas Wein trinken. Und bald sind es vier, fünf, sechs, sieben.

Angelina 16. Juni 2020

200616

Zeit sinnvoll und erfolgreich genutzt.

Zeit! Sehr viel Zeit hatten wir, mein Mann und ich. Zeit zum Nachdenken und für Gespräche im Garten. Zeit über die Art von gegebenen Antworten und über den Ton von gestellten Fragen nachzudenken. Zeit sich an den Teich zu setzen und es auszusprechen, dass (vor allem ich) gerne wieder vermehrt an meiner Tonlage und an der Achtsamkeit füreinander arbeiten möchte. Und da die Zeitspanne so lang und die zur Verfügung gestandene Zeit so viel war, war ich erfolgreich. Ja, es geht wirklich (fast) ohne überlegen. Ein Riesenerfolgserlebnis und Motivation, dieser Art der Kommunikation wieder vermehrt Beachtung und dem Partner gegenüber vermehrt Achtsamkeit zu schenken. Denn es geht ja!

Rachel 15. Juni 2020

200615

Schon bald realisierte ich, dass man meinen üblichen Lebensstil als Quarantäne bezeichnet.

Ich verbringe meine Zeit oft und gerne zu Hause. Allein, zu zweit oder mit Freunden. Daher genoss ich es zu Beginn des Lockdowns, einfach mal Zuhause bleiben zu können. Endlich musste ich kein schlechtes Gewissen haben, wenn ich keine Lust hatte, das Haus zu verlassen. Zuhause bleiben war schliesslich so ziemlich das Beste, was man in dieser Zeit tun konnte.
Da allerdings Freunde einladen wegfiel und ich eine Zeit lang im Homeoffice tätig war, schlug selbst mir die soziale Isolation irgendwann auf’s Gemüt.
Durch die Einschränkungen in der Corona-Zeit lerne ich die Freiheit und die vielen Möglichkeiten, die sich uns bieten, meine Familie und Freunde wieder mehr zu schätzen.

Markus 15. Juni 2020

200615

Die Coronazeit hat mir aufgezeigt, wie schön es ist, die Abende zu Hause mit der Familie zu verbringen – ohne sich von abendlichen Sitzungen stressen zu lassen. Ein feines Glas Wein, ein vorzügliches Essen, gute Gespräche und Zeit miteinander haben zum Spiele spielen waren einmalig.

Wir hatten alles und wir hatten vor allem viel Zeit für einander. Die Angst des ständigen und ungewohnten Beisammenseins war unbegründet und schliesslich genossen wir diese Zeit, in der vieles – aber auf andere Art und Weise – möglich war.

Helena 15. Juni 2020

200615

Alles andersch? Nei, für mich nöd. D’Bedingige usserhalb händ sich gänderet. Das jo. Aber – das kenn ich. So isch mis Läbe scho immer gsi – es stetigs apasse uf neui Situationä. Und somit – die bsunderi Situation isch mir und mim Wese entgegecho und ich han die Ziit in volle Züg gnosse.

Andreas 15. Juni 2020

200615

„Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr“, heisst es im Gedicht Herbsttag von Rainer Maria Rilke. Diese Zeile hätte auch für die letzten Monate gelten können. Wir haben trotzdem eines gebaut, eines für die Kinder.

Der Nachbar hatte nach dem Bau eines Unterstandes für Holz und Kompost noch (relativ viel) Holz übrig. So hatte er die Idee, dass aus diesem Holz ein Haus für die Kinder entstehen könnte. Spatenstich war irgendwann Anfang Februar. Es folgte der Unterbau und die tragenden Elemente, dann Corona – und viele hatten Zeit. Das Haus wuchs rascher als gedacht. Bald schon war es einzugsbereit. Nun ist es Treffpunkt der Kinder, die kleinen nehmen das Zvieri unten, die grossen klettern daran herum – und die ganz grossen warten noch ein bisschen, bis sie bei Wurst und Bier Aufrichte feiern.

Sonja 15. Juni 2020

200615

Ein paar Tage nach dem Lockdown erhielten wir von Nachbarn, die wir nur flüchtig kannten, einen Brief mit der Frage, ob wir uns in dieser Zeit zusammentun wollten. Wir taten es. Nun sind die beiden dreijährigen Mädchen dicke Freundinnen.

Sie haben eine kleine Tochter und wir haben eine kleine Tochter im Alter von drei Jahren. Mit dem Lockdown brachen für sie und für uns – wie für die meisten – viele direkte Kontakte weg: Keine Besuche bei den Grosseltern, kein Malatelier oder kein Chindertreff. Sicher entschleunigte das den Alltag, doch die Beziehungen fehlten. Eines Tages lag dann ein Brief in unserm Briefkasten – mit der Frage, ob wir gemeinsam eine „Corona-Familie“ bilden wollten. Wir wollten – und fortan hatten die beiden je ein neues Gspänli – spielten miteinander, gingen im Wald auf Entdeckungstour oder hielten beim nahen Bach die Füsse ins kalte Wasser. Heute sind die beiden dicke Freundinnen und freuen sich bereits darauf, dass wir in den Sommerferien gemeinsam zelten gehen.

Julia 12. Juni 2020

200612

Yoga mit Youtube-Tutorials. Wäre mir vor Corona nicht im Traum eingefallen. Mache ich nun seit März täglich, und es ist das beste überhaupt!

Jmaana 12. Juni 2020

200612

Ein verlangsamter Alltag – weniger hektisch soll er sein. Durch die Reduktion meiner hektischen Freizeit- und Arbeitsgestaltung, habe ich meinen Fokus mehr auf das Zuhören und Einfühlen gegenüber anderen Menschen setzen können.

Das hat mir sogar ein schlechtes Gewissen gemacht, weil ich gemerkt habe, dass ich in meinem Vor-COVID-19-Alltag nicht genug auf meine Freunde, Familie und mein Umfeld geachtet habe. Dies möchte ich beibehalten, und mir mehr Zeit nehmen für die wichtigen Dinge im Leben – die Menschen eben.

Yasmin 12. Juni 2020

200612

Auch das schlechte Wetter geniessen.

Durch den Lockdown habe ich die Natur sehr schätzen gelernt. Ich habe mich erfreut an der Rückkehr der Tiere in der Stadt und freute mich sogar über das „schlechte“ Wetter. Ich hatte Zeit zu erkennen, wie viel mehr man von der Umwelt wahrnimmt, wenn einem mehr Zeit bleibt.

Peter 12. Juni 2020

200612

Gemeinsam mit Freunden haben wir eine Einkaufsgemeinschaft für unsere älteren Nachbarn organisiert. Diese werden wir auch nach der Krise weiterführen. Die Begegnungen sind unglaublich intensiv, auch die Dankbarkeit ist gross. Schade, dass es einen Lockdown braucht, um solche Projekte zu initiieren.

Janine 12. Juni 2020

200612

Zwei Monate mussten wir auf den Fussball komplett verzichten. Wir durften nicht trainieren, unsere Rückrunde wurde abgesagt und die EM 2020 ist verschoben. So war es das schönste Gefühl überhaupt, als wir ab dem 8. Juni wieder auf den Rasen durften. Ich habe das Fussballspielen sehr vermisst.

Anastasia 12. Juni 2020

200612

Ich sitze in einem Raum mit künstlichem Licht. Die Welt um mich leer und beängstigend und meine Gedanken lauter als bisher. Und wohin soll das gehen? Nicht weiter als diese vier Wände, viel kürzer als meine Beine mich tragen.

Jasmin 12. Juni 2020

200612

Meine Mutter ist ursprünglich aus den Philippinen. So bin ich zur Hälfte eine Filipina. Vor allem am Anfang vom Lockdown habe ich gemerkt, wie rassistisch sich die Leute in der Öffentlichkeit gegenüber mir verhalten haben.

Wenn ich aus dem Bus ausgestiegen bin, haben viele gleich einen Schritt zurück gemacht. Wenn ich mir im Bus einen freien Platz gesucht habe, haben die Leute gleich ihren Schal über das Gesicht gezogen. Beim Einkaufen wurde ich von vielen beobachtet. Ich habe mich dann auch mit meinen Freunden ausgetauscht, die auch asiatische Wurzeln haben und sie mussten leider dasselbe erleben. Viele haben sich gegenüber Asiaten anders verhalten wegen des Corona Virus. Ich hoffe, dass es in Zukunft nicht mehr so sein wird.

Philipp 10. Juni 2020

200610

Wir fanden auch Ruhe im Sturm. Denn, wenn plötzlich fast alle Termine wegfallen, die eine Familie in der heutigen Zeit so umtreiben, so öffnet sich Raum nach innen. Und man merkt: Vielleicht war es ja des „Gutgemeinten“ zuviel. Wir nehmen mit: Weniger Agenda-Einträge für mehr Ich- und Wir-Momente.

Lilian 10. Juni 2020

200610

Begonnen hat es mit einem simplen Einkaufschat unter Nachbarinnen – inzwischen laden wir einander spontan zu Kaffee, Kuchen oder Erdbeerbowle im Garten ein. Von 1 bis 70 freuen sich immer alle, einander zu sehen!

Toll finde ich, dass es zwar digital losging, aber uns verschiedene Generationen „analog“, im ganz realen Leben näher zusammengebracht hat.

Paul 9. Juni 2020

200609

Warum in die Ferne schweifen, denn das Gute liegt so nah.

Jahrelang waren Ferien am Meer, ferne Länder die wichtigsten Ziele des Jahres. Alles selbstverständlich. Das abrupte Innehalten hat eindrücklich gezeigt, dass es eigentlich sehr einfach ist, sich zuhause einzurichten – als wäre man grad in den Ferien. Ein paar exotische Bäume, ein Sonnenschirm und ein gutes Buch. Fertig ist der Wohlfühlort. Unglaublich, dass es dazu erst ein Virus braucht.